Das Institut

Wie alles Begann

von Harald Walach, Klaus Küstermann, Hartmut Schröder

Die Idee, einen Masterstudiengang für den Bereich der Komplementärmedizin zu etablieren, entstand im Mai 2007 auf der griechischen Insel Kos – bekannt als Insel des Hippokrates. Dort – an den Wurzeln der abendländischen Medizin – finden seit dem Jahr 2000 ärztliche Fortbildungsveranstaltungen der Internationalen Gesellschaft für Homotoxikologie und Homöopathie (IGHH ) sowie der Internationalen Gesellschaft für Biologische Medizin (IGBM) im Rahmen des Curriculums Biologische Medizin statt: Ein innovatives Curriculum, das von Beginn an eine akademische Heimat an der Universität Mailand hat, wo es unter dem Patronat von Prof. Dr. Umberto Solimine, dem Direktor des WHO-Zentrums für traditionelle Medizin, akkreditiert ist. In Kos begegneten sich Dr. med. Klaus Küstermann, Präsident der IGBM, und Prof. Dr. Hartmut Schröder von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) im Rahmen des Curriculums.

Hartmut Schröder stellte in einem Vortrag seine Gedanken vor … an der Europa-Universität Viadrina … ein Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften zu gründen…

Hartmut Schröder stellte in einem Vortrag seine Gedanken vor, die Biologische Medizin durch die Klangtherapie zu ergänzen, stellte deren antike Wurzeln in der Naturtonleiter des großen Pythagoras dar und berichtete über seine Pläne, an der Europa-Universität Viadrina in Fortsetzung medizinsemiotischer Vorarbeiten in Forschung und Lehre ein Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften zu gründen.

Der Funke zündete sofort und beide Seiten erkannten das große Potential einer Kooperation zwischen Medizin und Kulturwissenschaften. Diese Verbindung steht dabei nicht nur für eine Neuorientierung der Medizin in akademischer Hinsicht, sondern auch für eine humane Entwicklung der Gesundheitssysteme selbst. Denn im Mittelpunkt medizinischen Handelns muss der Mensch stehen: Der gesunde Mensch, dessen Gesundheit es zu erhalten gilt, der kranke Mensch, dessen Gesundheit wieder bestmöglich hergestellt werden soll und schließlich auch der sterbende Mensch, der menschlich begleitet werden möchte. Eine wirklich humane Medizin hat es daher immer auch mit kulturellen Prozessen zu tun.

In der Folge wächst nun das wieder zusammen, was auch zusammen gehört

In der Folge wächst nun das wieder zusammen, was auch zusammen gehört: die Medizin auf der einen Seite und die Kulturwissenschaften auf der anderen Seite. Die Gründung des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften am 16. November 2007 in Frankfurt (Oder) war dafür ein erster überzeugender Ausdruck. Ein Jahr später war der Masterstudiengang „Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde“ bereits Realität und startete mit einer Auftakt- und Informationsveranstaltung im Oktober 2008.

Neuorientierung durch Rückbesinnung sowie durch Erweiterung des Blickwinkels auf andere Heilkulturen ist das grundlegende Programm unseres Masterstudiengangs, den wir vor allem als Ort der Begegnung verstehen. Begegnung zwischen unterschiedlichen Heilberufen: Ärzten, Apothekern, Psychotherapeuten. Begegnung zwischen unterschiedlichen Ansätzen und Verfahren der traditionellen europäischen Heilkunde mit der modernen Medizin. Begegnung schließlich zwischen den unterschiedlichen Heilkulturen: zwischen konventioneller westlicher Medizin, Traditioneller Chinesischer Medizin, Ayurveda und anderen traditionellen Heilsystemen.

Kulturwissenschaft kann die Medizin wieder mit ihren geisteswissenschaftlichen Wurzeln verbinden

Ziel des Studiengangs ist es einen Überblick über die Vielzahl von Methoden und Verfahren zu vermitteln, deren kulturelle Einbettung zu erarbeiten und die Verbindung mit Kommunikation und Sprache zu betonen. Begegnung an sich ist Bereicherung. Doch jenseits jeder Begegnung liegt nicht nur etwas Gemeinsames, sondern immer auch etwas Neues, was erst in der Begegnung entstehen kann: das Transkulturelle. Dieses Transkulturelle – verstanden als Synergie, als Geben und Nehmen zugleich – braucht einen Ort und einen Rahmen, um auf Augenhöhe zu kommunizieren. Und es braucht Übersetzer und Mediatoren, die diesen Prozess unterstützen und begleiten. Geleistet werden kann dies durch die Kulturwissenschaften, die die Medizin – eine anthropologische Disziplin – wieder mit ihren geisteswissenschaftlichen Wurzeln verbinden und ihr damit eine Neuorientierung ermöglichen können.

Die Viadrina ist die erste deutsche Universität, die einen Masterstudiengang dieser Art anbietet. Sie knüpft damit an die großen Traditionen der Medizinischen Fakultät der früheren Alma Mater Viadrina an, die sich durch ihre Nähe zu Naturheilverfahren und zur Balneologie einen Namen gemacht hat. Diese Tradition gilt es im Masterstudiengang fortzusetzen, zu beleben und zu erweitern.

Baden-Baden und Frankfurt (Oder), Oktober 2010